Textende

Fahrt mit Werner, Konrad und Max
vom 09.07.22 bis 16.07.22

Samstag, 09.07.22 - 388 (Werner 418) km


Abfahrt

Beuron

Beuron
Wir treffen uns um 9:30 Uhr in Häuser. Nach kurzer Besprechung nehmen wir von dem ursprünglichen Plan, möglichst viele Autobahnkilometer für die Anfahrt zu machen, Abstand und fahren über die Alpenstraße nach Lindenberg, Wangen und Ravensburg. Von dort geht es über Pfullendorf, Meßkirch nach Kloster Beuron. In der Klosterwirtschaft wird gegessen und dann die Klosterkirche besichtigt. Glücklicherweise sind wir gerade fertig als ein hektischer und lauter "Kniestrumpfträgerclub" aus Norddakota das Gelände stürmt.


Derselbe Baustil wie in der Kirche in Blaichach

Beuron

Beuron

Beuron




Philippsbourg

Weiter geht es durch den Schwarzwald und über den Rhein bis Haguenau. Es ist inzwischen 18:00 Uhr und wir fangen mit der Zimmersuche an. Ab Mertzwiller sollte man für Konrad eine Tankstelle suchen, was ziemlich erfolglos bleibt. In Philippsbourg fällt mir das Schild des Gasthofes Falkenstein auf und ich meine zuerst, diese Wirtschaft liege abseits unserer Route im Wald. Dabei stehen wir fast daneben. Der Wirt, auf den ersten Blick ein Typ wie ein mürrischer Marseilleser Hafenwirt (siehe Asterix in Korsika), entpuppt sich als sehr freundlich und entgegenkommend. Wir übernachten in einer Ferienwohnung auf der anderen Straßenseite und genießen die Spezialität des Gasthauses, Flammkuchen und heimischen Wein. Hier, im Vorgarten des Falkenstein, merke ich auch, dass die Coronaansteckung bei mir doch Spuren hinterlassen hat. Meine beiden Begleiter jammern über den penetranten Parfumduft, den eine Bedienung verbreitet und ich rieche gar nichts :-).
Die Nacht verläuft sehr angenehm in guten Betten und man hat den Eindruck, die Philippsbourger verhalten sich am Sonntag morgen extra leise, um ihre Gäste nicht zu stören: motorisierte 2- und 4-Räder fahren mit wenig Gas los und schalten beizeiten in höhere Gänge.

Philippsbourg

Sonntag, 10.07.22 - 215 km


Remich

NSU Prinz 1000
In der Hoffnung, dass Konrads Tankinhalt noch bis Bitche reicht, wo ich weiß, dass es eine Tankstelle gibt, fahren wir über schön geschwungene Straßen durch waldreiches Gebiet nach Nordwesten. Von Bitche, das wir trotz der mächtigen Vaubanschen Burg nicht weiter besichtigen, geht es nach Sarregemines und Saarbrücken. Hier genehmigen wir uns bis fast nach Schengen ein Stück Autobahn.
In Schengen wollen wir zuerst mal Mittagessen. Das von uns ausgesuchte Lokal ist jedoch so vornehm, dass der Ober beim Anblick der Motorradanzüge vorgibt, ausgebucht zu sein.
Also an der Mosel entlang nach Remich. Hier tanzt der Bär. Neben geschätzt 500 Motorrädern und ebenso vielen Autos ist die Strandpromenade voller Leben. Hier findet zudem eine Freiluft-Oldtimer-Show statt, wo ich einen 1000er NSU Prinz sehe. Mit so einem Gefährt fuhren wir 1969 zu viert nach Paris - war damals ein kleines Abenteuer. Aber zuerst essen wir im Vorgarten eines der vielen Lokale.

Remich

Remich


Mäxchen


Pont d'Adolphe


Grund



ohne Kommentar

Wir genießen noch die Moselfahrt bis Grevenmacher und biegen dann Richtung Luxemburg Stadt ab. In Niederanven versuchen wir vergeblich ein Zimmer zu bekommen und buchen über das Handy im P'tit Max (Mäxchen) in Luxemburg Kirchberg ein. Nach einigem Suchen landen wir zuerst vor der Tiefgarage der Europ. Investitionsbank und finden dann doch noch das Hotel, in dem wir eine Familienwohnung bekommen. Leider nur für einen Tag. Wir hätten hier gerne zweimal übernachtet. Am selben Nachmittag fahren wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln (alle kostenlos) in die Stadt.

Vom Boulevard F. Roosevelt sieht man die Pont Adolphe (1903) und das Viadukt (1859) mit seiner harmonischen Bogenarchitektur, die beide die Stadt mit dem Bahnhofsviertel verbinden.

Hier steht auch die Gėlle Fra. Das Monument wurde 1923, nach dem Ersten Weltkrieg, zum Gedenken an die Luxemburger errichtet, die freiwillig in den französischen und belgischen Armeen gedient hatten und im Ersten Weltkrieg, inzwischen auch an die, die im 2. Weltkrieg gefallen waren. Es steht für den Frieden, den Sieg und die Nation, die an ihre Kriegshelden erinnert.

Nach einem Bummel durch die riesige Fußgängerzone kommen wir zum Aufzug an der Place du St-Esprit zum Grund mit teilweise gläsernem Boden. Er überwindet 65 m Höhe mit rasanter Geschwindigkeit. Da es hieß, dass in vielen der restaurierten Fischer- und Arbeiterhäuschen inzwischen Läden, Bistros, Cafés und Pubs eingezogen seien, wollen wir dort zu Abend essen. Leider war im Grund absolut "Tote Hose" und wir suchen ein Restaurant in der Innenstadt.

Danach fahren wir zurück auf das Plateau Kirchberg, wo europäische Behörden, Banken, Kongress- und Tagungszentren ihre Wolkenkratzer hingeklotzt haben. Die neue, weiße Philharmonie von Christian de Portzamparc mit ihren 800 schlanken Säulen ist einer der Stars dieses Ensembles.


Philharmonieorchester im Theaterpark

Gėlle Fra

Viadukt


Aufzug zum Grund


Europaviertel Kirchberg


Montag, 11.07.22 - 310 km


Figaro in Larochette

Müllerthal

Echternach Rathaus

Echternach Willibrordbasilika

Echternach Willibrordbasilika
Heute wollen wir in die "Luxemburger Schweiz". Durch Zufall finde ich die richtigen Nebenstraßen und wir cruisen über freies Land, durch Waldgebiete und kleine Dörfer, in denen wir nach einer Bäckerei (Frühstück) Ausschau halten. In Larochette werden wir endlich fündig und stärken uns für den Tag.

Dann geht es hügelauf und hügelab sehr abwechslungsreich zum Müllerthal, sozusagen dem Zentrum der "Luxemburger Schweiz". In dieser waldreichen Gegend haben sich Bäche tief eingeschnitten und jene bizarren Felsformationen, Schluchten und Höhlen gebildet, die ihr diesen Namen einbrachten. Am Parkplatz Müllerthal gehen Werner und ich auf einen kurzen Wanderweg zum Schießentümpel und zum Wasserfall. Letzteren sparen wir uns, da bei Niedrigwasser nicht viel zu sehen ist.

Zu dritt fahren wir dann durch die Schlucht bis Echternach, wo wir die viertürmige Willibrordbasilika besichtigen.
Wir schauen die Krypta an, in der neben den Gebeinen des hl. Willibrord auch die Heinrichs IV., Graf von Luxemburg, aufgebahrt sind. Im Dokumentationszentrum der Basilika können wir einen Film über die berühmte Echternacher Springprozession sehen.

"Am Dienstag nach Pfingsten findet die Echternacher Springprozession statt, eine jährlich zelebrierte Tanzprozession, die in ähnlicher Form auch im Trierer Stadtteil Biewer beim sogenannten Schärensprung ausgeführt wird. Bei der Springprozession „springen“ die Teilnehmer zu Marschmusik ausgehend vom Innenhof der früheren Abtei durch die Stadt zur Echternacher Basilika, der Begräbnisstätte des heiligen Willibrord. Mit der Prozession wird der Heilige geehrt, der von hier zu seiner Missionarstätigkeit nach Friesland aufbrach. An der Veranstaltung nehmen auch regelmäßig zahlreiche Gläubige aus den missionierten Gebieten teil.
Wie es zum Springen kam ist nicht eindeutig geklärt. Eine Theorie besagt, dass die Sprünge auf die Bewegungen von Epileptikern zurückgehen, die sich von einer Pilgerfahrt Heilung ihrer Krankheit erhofften. Die neuere Forschung bevorzugt jedoch die These, dass die Springprozession viel älter als die Verehrung Willibrords ist und aus germanischen und frühchristlichen Kulttänzen hervorging."(Wikipedia)

Während sich Konrad noch in der Kirche umschaut, nehmen Werner und ich im Künstlercafe Erfrischungen zu uns beobachten das Treiben der Schüler, die gerade vom nahe gelegenen Gymnasium in den Nachmittag entlassen werden.

Larochette

Müllerthal

Echternach Willibrordbasilika

Echternach Willibrordbasilika


Vianden

Vianden

Vianden

Hotel Heintz Vianden
An der deutsch-luxemburgischen Grenze entlang, immer durch schattige Wälder führt uns die Straße nach Vianden.
Über der Stadt thront die Burg Vianden. 1820, unter der Herrschaft von König Wilhelm I. der Niederlande, Prinz von Oranien-Nassau, Graf von Vianden, führte der Verkauf des Schlosses, und die anschließende Zerlegung in Einzelteile, zum Ruinenzustand. Im Jahr 1890 fiel das Schloss an Großherzog Adolf der älteren Linie des Hauses Nassau. Nach Übernahme der Burg in Staatsbesitz 1977 wurde sie entsprechend ihrer ehemaligen Pracht restauriert und zählt heute zu den bedeutendsten Baudenkmälern Europas.
Der Eintritt von 10 Euro lohnt sich auf jeden Fall. Die Burganlage ist gigantisch. Auf der vorgegebenen Besichtigungsstrecke entdecken wir den Waffensaal, den Byzantinischen Saal mit seinen Kleeblattfenstern, die Kapelle, den Rittersaal mit seinem gotischen Kamin sowie andere Räumlichkeiten. Wir begegnen immer wieder einer Kindergruppe, die von einem mittelalterlich kostümierten Söldner und einer Magd über das Leben auf einer Burg informiert wurden. So lud der Mann z.B. eine Langwaffe mit Pulfer und einer Papierkugel und feuerte mit einer eindrucksvollen Stichflamme und einem extrem lauten Knall durch ein Saalfenster.
In einem Saal finden sich Bilder zahlreicher, berühmter Personen, die hier zu Besuch waren oder wohnten.

Noch eine Begebenheit aus der Geschichte der Burg:
Im November 1944 wurde die Burg Schauplatz von Kämpfen zwischen 37 Widerstandskämpfern der luxemburgischen Miliz unter der Führung von Vic Abens und einer Einheit von rund 250 SS-Männern. Die Miliz konnte die Einnahme des Städtchens und der strategisch gut gelegenen Burg durch die SS abwehren, welche sich nach schweren Verlusten (38 Gefallene) über den Grenzfluss zurückziehen musste. (Wikipedia)

Abends aßen wir auf anraten der Rezeptionistin des Heintz im Restaurant "Beim Hunn" zwar teuer, aber sehr gut und gönnten uns in einem kleinen Bistro noch einen Absacker.

Vianden

Vianden

Vianden

Vianden

Vianden


Dienstag, 12.07.22 - 148 km


Pumpspeicherwerk

Pumpspeicherwerk

La Roche en Ardennes

La Roche en Ardennes

Durbuy - kleinste Stadt Belgiens

Theux
Bei Vianden arbeitet eines der größten europäischen Pumpspeicherkraftwerke, das Pumpspeicherwerk Vianden. Innerhalb der Anlage wird in Zeiten niedrigen Stromverbrauchs Wasser aus dem Fluss Our in ein Becken auf einem Berg gepumpt. In Spitzenzeiten des Stromverbrauchs wird das Wasser aus dem Vorhaltebecken zurück in den Fluss geleitet. Mit Hilfe der Wasserkraft werden Generatoren zur Stromerzeugung betrieben.

Bald verlassen wir Luxemburg und merken sowohl an den schlechter werdenden Straßen als auch an den ziemlich einfachen Häusern einen krassen Unterschied. Dies gilt allerdings nur für die ländlichen Gebiete. Leider nehmen die waldreichen Gebiete ab und es wird immer heißer. Ich versuche von den Hauptverkehrsstrecken weg zu kommen und finde schöne, schmale Nebenstraßen, was bei Konrad nicht auf Gegenliebe stößt.
Pause machen wir in einer Bäckerei, die den aufgelassenen Teil einer Schreinerei mit Beschlag belegt. Interessant sind die Holzskulpturen.

Wir wollen noch die Tropfsteinhöhlen von Hotton besuchen, finden sie aber nicht.
Dafür kommen wir durch die kleinste Stadt Belgiens mit 400 EW, Durbuy. Hier ist ziemlich viel los und ich glaube fälschlicherweise wir sollten uns nicht ins Getümmel stürzen. Ich halte kurz für zwei Fotos und fahre dann weiter nach Remouchamps. Hier finden wir die wunderschönen Tropfsteinhöhlen sofort. Man geht etwa 1 km in die Höhle hinein (angenehme 14°C) und wird dann über den unterirdischen Fluss zum Eingang zurück gefahren. Schade nur, dass der Guide die ganze Zeit redet und man die Stimmung nicht gebührend genießen kann.

Nach dem Höhlenbesuch versuchen wir über das Internet eine Unterkunft zu finden. Günstig ist das Hotel Perron in Theux. Wir buchen, bekommen eine Bestätigung und fahren nach Theux. Die Stadt hat offensichtlich nach einer vor kurzem erlittenen Überschwemmung ein neues Einbahnstraßenkonzept, sodass wir das Hotel zwar sehen, aber lange brauchen bis wir es erreichen. Unser Anruf, wir seien da, überrascht den Eigentümer offensichtlich, aber er schickt jemanden, der uns als einzige Gäste aufnimmt. Die Dame zeigt mir, wage in östlicher Richtung deutend, dass wir im "Au sport" frühstücken könnten.
Wir richten uns, gehen die paar Meter zur Stadtmitte zum Abendessen, und machen hinterher einen Verdauungsspaziergang. Dabei sehen wir, dass das Flüsschen Hoėgne offensichtlich die ganz Immenstadt überschwemmt hatte und viele Gebäude noch nicht saniert sind. So auch unser Hotel.
Bei der Wanderung suchen wir vergeblich nach einem sportlichen Geschäft, sodass ich am nächsten Morgen anrufen muss und der Eigentümer uns 5 Häuser weiter in das Bistro "Hocheport" geleiten wird.


Cowan Belgien

Cowan Belgien

Durbuy - 400 EW

Tropfsteinhöhlen von Remochamps

Theux

Mittwoch, 13.07.22 - 310 km


Brügge - Schmedentor

Brügge - Belfried

Brügge

Brügge

Brügge

Roeselare
Nach dem Frühstück verlässt uns Konrad und fährt in die Eifel und dann nach Hause. Er hält die Hitze nicht aus.
Wir fahren in die Gegenrichtung nach Sprimont und dann auf ziemlich kleinen, aber schönen Straßen kreuz und quer durch die Lande nach Nandrin. Hier gibt Werner zu bedenken, dass wir auf diese Weise wohl heute nicht mehr nach Brüssel bzw. Brügge kämen. Zudem wird die Landschaft jetzt auch ziemlich flach und eintönig.
Also nach Huy und dort auf die Autobahn Richtung Namur und Brüssel. In Brüssel finde ich, was mir sonst nicht passiert, keinen Weg in die Innenstadt. Schilder zum Zentrum gibt es, aber nur sporadisch und wenn man einem nachfährt, kommt sicher die nächsten Kreuzungen kein neues mehr. Als wir gefühlsmäßig schon nahe dran sind und unsere Mopeds abstellen, erfahre ich von einem jungen Mann, dass wir noch 45 Minuten zu gehen hätten und doch besser mit der Metro fahren sollten. Bei der Hitze haben weder zu dem einen noch anderen Lust, steigen wieder auf und suchen die Autobahn nach Brügge. Dabei umrunden wir die Stadt fast und fahren mindestens 30 Minuten durch dicht bewaldetes Gebiet.

In Brügge schaut das anders aus. Der Tankwart am Rande der Altstadt gibt mir genaue Hinweise wie wir am besten zu Innenstadt kommen. Wir landen am Schmedentor und sind nach kurzer Zeit im Zentrum angelangt. Der Führer hat nicht zuviel versprochen, wenn er Brügge als das Manhattan des Mittelalters bezeichnete. Der Grote Markt ist der Brennpunkt der Stadtgeschichte. Hier steht der Belfried, Symbol städtischer Unabhängigkeit, mit seiner achteckigen Krone. Hier befindet sich auch das Stadthuis mit seiner imposanten Front. Seit 1376 werden hier die wichtigen stadtpolitschen Entscheidungen getroffen. Das Stadthuis gehört zu den ältesten und größten Rathäusern Belgiens.
Nicht weit davon gibt es die Chocolate Line, wo man mir allerdings abrät, bei diesen Temperaturen Pralinen mit nach Hause zu nehmen. Verschickt wird aus demselben Grund auch nichts.

Das zunächst dreischiffige Langhaus entstand zwischen 1210 und 1230. Die zwei filigranen Treppentürme an der Westfassade datieren um 1280. In der um diese Zeit bereits begonnenen zweiten Bauphase, die bis 1335 reichte, entstanden Querhaus, Chor und der in ungewohnter Weise nördlich des Langhauses angeordnete mächtige Turm von 1320, der mit 115,6 Meter Höhe das südliche Stadtbild von Brügge prägt. 1345 wurde dem Langhaus ein zweites nördliches Schiff angefügt, 1450–1474 entstand sein Gegenstück im Süden. Diese beiden äußeren Seitenschiffe der nunmehr fünfschiffigen Basilika mit Chorumgang und Kapellenkranz repräsentieren zusammen mit dem in der Spätphase errichteten Paradiesportal am Turm den Stil der Brabanter Gotik, die auf nordfranzösische Einflüsse zurückgeht. 1480 war der Bau von Sakristei und Kapellen abgeschlossen.

Wir verlassen Brügge und fahren auf Nebenstraßen nach Süden. In Roeselare finden wir im Gewerbeviertel ein günstige Hotel, Chamdor. Abends fahren wir mit einem Motorrad ins Stadtzentrum zum Essen und ein bißchen "Strawanzen". Dabei sehen wir den Neubau des Stadthuis, bei dem eine denkmalgeschützte Fassade mit verbaut werden muss.

Brügge - Schmedentor

Brügge - Grote Markt mit Stadthuis

Brügge - Herzogspalast

Brügge

Brügge

Brügge

Roeselare





Donnerstag, 14.07.22 - 371 km


Christine de Lalaing

Tournai - Grand Place

Tournai - Nôtre Dame

Tournai - Nôtre Dame

Tournai - Nôtre Dame
In Roeselare geht es wieder mal auf die Autobahn, Richtung Tournai. Es läuft alles ganz gut bis der Name Tournai nicht mehr auf den Wegweisern erscheint. Also fahre ich auf die Autobahnabzweigung Richtung Liège (Lüttich) bis mir das ganze nicht mehr ganz geheuer vorkommt. Zurück zur letzten Abzweigung (natürlich nicht als Geisterfahrer) und dann die Erleuchtung: Die Flamen wollen keine vallonischen Namen, deshalb steht seit einiger Zeit Doornik für Tournai. Jetzt finden wir die Stadt und auch fast gleich das Zentrum.

Auf dem Grand Place machen wir in der Nähe der Statue der Christine de Lalaing, Princesse d’Espinoy, bei einem Kaffee Pause. Die Princesse leitete während der Religionskriege 1581 leider nicht erfolgreich die Verteidigung der Stadt. Sie konnte jedoch bei der Kapitulation für die Stadt und für ihre Verteidiger günstige Bedingungen aushandeln.
Der frei stehende 72 m hohe Belfried gegenüber der Eglise St-Quentin gilt als der älteste in Nordeuropa. Zur Zeit des Übergangs von der Romanik zur Gotik entstand die Cathédrale Nôtre Dame mit ihren ungeheuer großen Kirchenschiff. Der Innenraum ist 134 m lang, 66 m breit und 33 m hoch. Der Chor ist fast so lang wie das Langschiff.


Wieder auf der Autobahn geht es nach Mons.

Tournai - Grand Place

Tournai - St-Quentin

Tournai -Belfried

Tournai - Nôtre Dame



Rocroi

Rocroi
Das alte Rocroi ist eine künstlich angelegte Verteidigungsanlage ähnlich Palmanova in Italien. Um der Macht Karls V. widerstehen zu können, ließ der französische König Heinrich II. Rocroi zu einer Festung ausbauen.
"Der berühmte Festungsbauer Vauban ließ 1675 die Stadt Rocroi derart ausbauen und schützen, dass sie eine fünfzackige Festungsmauer in Form eines Sternes erhielt, was für die damalige Zeit ein typischer Festungswall war. Vauban schuf zwei Zugänge zu der Stadt: Im Nordosten die Porte de Bourgogne und im Südwesten die Porte de France. Der damalige französische König Ludwig XIV. sah vor, dass die Champagne in Zukunft gegen feindliche Truppen geschützt sei.
Während des Deutsch-Französischen Krieges wurde die Festung am 5. Januar 1871 nach fünfstündigem Kampf durch preußische Truppen unter Generalmajor Schuler von Senden im Handstreich genommen." Wikipedia


Rocroi



Pumpspeicherwerk Rocroi

Pumpspeicherwerk Rocroi

Umgebung Sedan

F1-Hotel Verdun
Nach einer ungewollten Runde über Bourg-Fidèle kommen wir zum Pumpspeicherwerk Revin, das noch zum Gebiet Rocroi gehört. Es wundert uns immer wieder, weshalb wir so eine Sache im Allgäu nicht haben.


Die Fahrt geht weiter über Sedan nach Verdun, wo wir immer wieder auf Reste der Maginot-Linie stoßen.


In Verdun suchen wir ein B&B auf, das leider bereits voll besetzt ist. Daneben befindet sich ein F1-Hotel. Dort kommen wir für sehr wenig Geld unter und sind anfangs schockiert von der einfachen Ausstattung: Winziges 2-Bett-Zimmer mit Waschbecken, Duschen und Toilette im Gang. Betten sind billige Matratzen auf Holzbrettern. Handtücher fehlen und können auch nicht entliehen werden. Insgesamt ist es jedoch sauber. Leider scheint es immer Leute zu geben, die ihrem Unmut über irgendwelche Mißstände durch Zerstörungswut Ausdruck verleihen, wie eine Duschtüre zeigte, deren Füllung teilweise herausgetreten war. Ein Blick in Google zeigt, dass die F1-Hotels über ganz Frankreich verteilt sind und so auch dem kleinen Geldbeutel das Reisen ermöglicht.

Abends wollen wir noch etwas essen gehen. In er Nähe ist ein Steakhaus und eine Pizzeria - beide voll besetzt. Also mit einer Maschine Richtung Innenstadt, die plötzlich abgesperrt ist. So begnügen wir uns mit einem Dürüm und einem Cheeseburger. Immerhin kann man draußen sitzen. Nach einem Absacker mit alkoholfreiem Bier geht es ins Hotel, wo wir um Mitternacht durch Feuerwerk und Böllerschüsse geweckt werden - jetzt geht uns auf, es ist Nationalfeiertag bei der Grand Nation.

Pumpspeicherwerk Rocroi

Umgebung Sedan

Umgebung Sedan

F1-Hotel Verdun





Freitag, 15.07.22 - 317 km


St-Mihiel

St-Mihiel - Bayer. Schützengräben
Nach einem erstaunlich reichhaltigen und ordentlichen Frühstück für 4,50 Euro geht as weiter nach St-Mihiel.

Hier war Josef Hiemer der Großvater meiner Frau 1915 im Einsatz und hat diesen Ort immer wieder erwähnt. Er war damals monatelang in den nassen, teilweise überschwemmten Schützengräben gestanden und hatte sich die sogenannte Wassersucht bei chronischen Nierenentzündungen und bei Blutstauungen infolge Kreislaufstörungen (Herzschwäche)geholt. Nur durch großes Glück überlebte er diese Krankheit und war dann vom Kriegsdienst frei gestellt.
St-Mihiel war von 1915 bis 1918 ein hart umkämpfter Brückenkopf, um den sowohl auf deutschen als auch der französischen Seite kilometerlange Stellungsanlagen gebaut wurden.
Die Stadt selbst stellt heute nichts Besonderes dar. Ich mache ein paar Fotos für meine Frau und wir verlassen St-Mihiel in Richtung Dieuze. Keinen km weiter fällt mir ein Schild auf "Tranchées bavaroises" und wir fahren 800 m in den Wald hinein, wo die bayerischen Gräben zu finden sind. Am Parkplatz gibt es Kurzbeschreibungen in 3 Sprachen.


St-Mihiel

St-Mihiel - Bayer. Schützengräben

St-Mihiel - Bayer. Schützengräben

St-Mihiel_Vorsprung



St-Mihiel - Bayer. Schützengräben




Pont a Mousson

Pont a Mousson

Lemontcourt
Rheinfähre bei Drusenheim

Nachdem wir die Schlachtfelder von St-Mihiel verlassen haben, fahren wir ziemlich genau nach Osten und erreichen die wunderschöne Stadt Pont à Mousson. Weiter über schöne Nebenstraßen mit wenig Verkehr nach Lemontcourt, wo wir die riesigen Sonnenblumenfelder sehen.
In Haguenau haben wir bei der Übernachtungssuche genauso viel Glück wie auf dem Hinweg, setzen dann bei Drusenheim mit der Fähre über und kommen dann durch Schwarzach, Bühl, Bühlertal zur Schwarzenbachtalsperre. In keinem dieser Orte fand sich ein ansprechender Gasthof, also wieder ins Netz und Googlesuche. Der Hirsch in Seebach wird angezeigt und wir reservieren telefonisch. Also zurück auf die Schwarzwaldhochstraße und auf der anderen Seite runter nach Seebach.

Auf halber Strecke dorthin möchte ich an einer Kreuzung noch mal auf Maps schauen und fahre rechts auf den Parkplatz. Werner will neben mir halten und verhängt mit seinem rechten Koffer an meinem linken. Verzweifelt versuchen wir die Motorräder, die stark nach rechts hängen, aufrecht zu halten. An ein Aufrichten ist nicht zu denken. Kurz bevor ich aufgeben und uns beide von den Maschinen begraben lassen will, hält neben uns ein junger, französischer Porschefahrer, springt aus dem Auto und schiebt uns in die Vertikale. Ehe wir uns richtig bedanken können, sitzt er schon wieder im Wagen und düst davon. Nie wieder sage ich Schlechtes über Porschefahrer!

In Seebach ist gerade Patroziniumsfest oder so etwas, aber die Leute sitzen so eng, dass wir lieber im Gasthaus essen und nach einem kleinen Spaziergang ins Bett gehen.


Pont a Mousson

Lemontcourt
Rheinfähre bei Drusenheim




Samstag, 16.07.22 - 310 km


Seebach
Nach einem reichhaltigen Frühstück machen wir uns auf den Heimweg. Obwohl es Samstag ist, sind relativ wenig Motorradler im Schwarzwald unterwegs. Über den Heimweg gibt es nicht viel zu sagen, außer dass auf der Strecke seit Freudenstadt mindestens 4 lange Umleitungen waren und wir nirgends ein Cafee oder eine Bäckerei fanden, bei der man ein Päuschen machen konnte.

War heiß und trotzdem wieder richtig schön!!

Seebach





 
Textanfang